Netzwerk „Kirche im Nationalpark“ hat die ersten Pilgerbegleiter ausgebildet

Foto: Projektleiter Jürgen Rist (Mitte) und die Seminarreferenten Helga Klär (Zweite von rechts), Patrick Krieg und Achim Brodback (vorne links) freuen sich mit den Teilnehmern über den gelungenen Pilotkurs. (pr-Foto: Patrick Krieg)

Ruhestein/Forbach – Beim Pilgern können Seele und Geist zur Ruhe kommen. Zahlreiche schöne Wege in der Heimat laden zum Pilgern ein, und ebenso urwüchsige Pfade im Nationalpark Schwarzwald. In einer ersten dreiteiligen Seminarreihe hat das ökumenische Netzwerk „Kirche im Nationalpark“ nun 14 Frauen und Männer zu zertifizierten Pilgerbegleitern ausgebildet. Im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes wurden die Zertifikate in Herrenwies überreicht. Ziel des Pilotprojektes ist es, dass die Pilgerbegleiter künftig eigene Ideen entwickeln, um in Kooperation mit örtlichen Kirchengemeinden oder anderen Bildungsträgern Pilgerwanderungen anbieten zu können. Pilgererfahrene Fachleute, sowohl katholischer als auch evangelischer Konfession, vermittelten den Einsteigern an drei Wochenenden das nötige Rüstzeug. Alle Fäden bündelte Projektleiter Jürgen Rist, der im Bildungszentrum der evangelischen württembergischen Landeskirche Stuttgart als Landesreferent für den Bereich Freizeit und Tourismus zuständig ist. Seine große Pilgerleidenschaft motivierte und spornte die Kursteilnehmer an. Bei den drei Ausbildungsmodulen wurde er unterstützt von den beiden Sprechern des Netzwerkes „Kirche im Nationalpark“, Pfarrer Wolfgang Sönning (Baiersbronn-Mitteltal) und der Gemeindereferentin Helga Klär (Dekanat Acher-Renchtal) sowie von Pfarrer Achim Brodback (Oppenau) und Dekanatsreferent Patrick Krieg (Baden-Baden). Die Kursteilnehmer befassten sich mit den Aufgaben und dem Rollenverständnis des Pilgerbegleiters, erarbeiteten und gestalteten geistliche Impulse, bereiteten eine Wegstrecke für eine Gruppe vor und übten sich damit in der praktischen Umsetzung. Weitere Themen betrafen organisatorische Abläufe, die besonderen Regelungen für Gruppenwanderungen im Nationalpark, Rechts- und Versicherungsfragen sowie seelsorgerliche Begleitung und gruppendynamische Prozesse. Erste praktische Pilgererfahrungen sammelten die Teilnehmer beim gemeinsamen Pilgern von Allerheiligen (Renchtal) über den Lotharpfad an der B 500 nach Baiersbronn-Mitteltal und auf drei Abschnitten des Jakobsweges von Horb a.N. über Lossburg und von dort auf dem Kinzigtäler Flößerweg nach Schiltach. Entlang der Wege entdeckte die Gruppe neben vielen schönen kulturgeschichtlichen Stätten wie Kirchen, Kapellen und Wegkreuzen auch zahlreiche landschaftliche Elemente wie Wasserläufe, Felsformationen oder Bäume, die zu geistlichen Impulsen und zum gemeinsamen Singen inspirierten. Jürgen Rist ermunterte die Kursabsolventen miteinander in Kontakt zu bleiben und einander bei der Planung und Durchführung von Pilgerwanderungen zu unterstützen. Einige Ideen und Vorschläge zeichneten sich beim Abschlussseminar schon sehr konkret ab. „Nutzt die Chance, eure Erfahrungen und eure Freude am Pilgern mit anderen Menschen zu teilen“, formulierte Rist. Das Netzwerk „Kirche im Nationalpark“ werde als Ratgeber zur Seite stehen. Für nächstes Jahr werde man einen Erfahrungsaustausch und Fortbildungsangebote vorbereiten. Das Zertifikat zum Pilgerbegleiter erhielten: Christiana Vollmer-Krug (Gernsbach), Ernst Kraft (Gaggenau), Edith Horcher-Tilgner (Bühlertal), Verena Müller-Kunkel (Oppenau), Ursula Keck (Freudenstadt), Erna Gerber (Wildberg), Steffi Brodbeck (Bad Boll), Christiane Gegenheimer (Maulbronn), Eva Hasenfratz (Sternenfels Diefenbach), Elisabeth und Franz Hauth (Pforzheim), Inge Keppler (Bad Herrenalb), Anne Geiger und Anne Kessler (St. Wendel).

Gottesdienst zum Tag der Schöpfung

"Soweit Himmel und Erde ist" war das Motto des Ökumenischen Gottesdienstes am Tag der Schöpfung, der jährlich am Nationalparkzentrum Ruhestein gefeiert wird. Mitten in der Natur auf einem kleinen Plateau unterhalb der Sprungschanze versammelten sich ca. 50 Naturbegeisterte trotz frischer Temperaturen und tiefhängenden Wolken um den Schöpfer der WElt zu loben. Zusammen mit Dekan Georg Schmitt (Achern), Schuldekan Herbert Kumpf (Kehl), Dekanatsreferent Patrick Krieg (Baden-Baden). Die Vokalgruppe "Querbeet" unter Leitung von Gabriele Frietsch begeisterte mit ihren stimmungsvoll vorgetragenen Liedern zum Mitsingen und besinnlichem Zuhören. Der Leiter des Nationalparks Schwarzwald Wolfgang Schlund sprach in seiner Begrüßung von der Notwendigkeit, immer wieder die spirituelle Dimension Natur sich vor Augen zu stellen, die Grundlage unserer menschlichen Existenz mit alle ihrer Schönheit, Kraft und Bedrohung ist. Die Verantwortung für die Schöpfung, das Staunen vor und in ihr, das in der Bibel uns Menschen von Gott aufgetragen ist, griff auch Dekan Georg Schmitt in seiner Ansprache auf. „Wir sind berufen, die Werkzeuge Gottes des Vaters zu sein, damit unser Planet das sei, was er sich erträumte, als er sie erschuf und seinem Plan des Friedens und der Schönheit und der Fülle entspreche“ zitierte er Papst Franziskus in seiner Enzyklika „Laudato si“. Beim anschließenden geistlichen Waldspaziergang wurde die Dimension des „Leidens der Schöpfung“ vertieft, besonders der Anteil des Menschen daran. Patrick Krieg und Wolfgang Schlund führten die 20 köpfige Gruppe auf einem kleinen Rundgang an. Bildtafeln, die Motive im Nationalpark aufnahmen, und passende meditativen Texten regten die Gruppe zu einem lebendigen Austausch an. Wie eng verwoben viele Ursachen der Umweltzerstörung und –bedrohung mit den weltweit sozialen Verwerfungen sind, war eine erschütternde Erkenntnis. Eine ermutigende Einsicht dagegen, die Kraft des Gebetes und der handelnden Solidarität mit der Schöpfung, vor allem die Achtsamkeit und der Respekt vor der Würde alles Geschaffenen.
(Patrick Krieg)

Ausbildung zum Pilgerbegleiter auf dem kinzigtäler Jakobsweg

Beim zweiten Modul der Ausbildung zur Pilgerbegleitung konnten die Teilnehmenden nicht nur erste praktische Erfahrungen in der Rolle als Pilgerbegleiter sammeln, sondern auch ihre Fähigkeiten im Bereich Teamarbeit weiterentwickeln. Eingeteilt in drei Vierer- Teams und ein Dreier-Team, wurden mehr als drei Etappen des kinzigtäler Jakobswegs vorbereitet. Die Teams hatten die Aufgabe, ihren jeweiligen Streckenabschnitt vorab zu erkunden, die organisatorischen Fragen zu klären, Impulse zu erarbeiten, den Ablauf zu planen und sich mit den anderen Teams abzusprechen.

An zwei Tagen wurde gewandert. 23 Kilometer waren es am ersten Tag, 16 am zweiten Tag. Als weitere Ausbildungs-Teamerin kam Helga Klär vom ÖNKINS hinzu. Treffpunkt war am Freitagmorgen am Bahnhof in Horb am Neckar. Nach einer kurzen Busfahrt  in den Stadtteil  Ihlingen begann die Tour in der eindrucksvollen katholischen Kirche St. Jakobus. Das erste Team hatte den dortigen Diakon gebeten, der Gruppe im Rahmen einer kleinen Andacht den Pilgersegen zu erteilen und einige historische Daten zur Kirche zu geben. Unter dem Thema „Licht und Schatten“ standen die Impulse am ersten Vormittag.

Bei hochsommerlichen Temperaturen waren Kraft und Ausdauer  nötig für den Aufstieg nach Lossburg. Glücklicherweise führte die Strecke größtenteils durch schattige Wälder und es wehte stets – besonders auf der Hochebene, wo viele Windräder stehen – ein angenehm kühlender Gegenwind. Die Pilger fühlten wie es ist, bei jedem Wetter beharrlich den Weg zu gehen. Sie spürten ihre Grenzen und manche kamen auch an ihre körperliche Leistungsfähigkeit. Die Teams gingen auf die Bedürfnisse der Pilgergruppe nach vermehrten Pausen ein. Zeitliche Änderungen im Ablaufplan erforderten Improvisation.

Willkommen waren Stopps in kühlen sakralen Bauten – einen interessanten Impuls „Heiliger Wendelin“ gab es unter anderem in der Wendelinuskapelle - und eine Pause am katholischen Pfarrhaus in Leinstetten. Die Teilnehmer konnten sich dort mit kühlen Getränken erfrischen und das WC benutzen. Eine ehrenamtliche Mitarbeiterin ermöglichte es der Gruppe, auch einen Blick in die dortige Pilgerherberge zu werfen. Frisches Wasser konnte auch am schönen Jakobsbrunnen gezapft werden.

„Überraschungen“ lautete das Thema des zweiten Teams.  Verblüffend war ein Mini-Weinberg im rauen Schwarzwald, der zu einem Impuls geradezu herausforderte. Eine tolle Überraschung war die nicht angekündigte Kaffeepause an der Nachtberghütte. Die Wirtin des Gasthauses „Alte Kirche“ hatte Kaffee und selbstgebackenen Kuchen zu diesem herrlich gelegenen Aussichtspunkt gebracht. Diese stärkende Pause war eine Wohltat für Leib und Seele und beflügelte, die restlichen Kilometer nach Lossburg zum ersten Übernachtungsquartier entschieden anzupacken.  Nach einem schönen gemeinsamen Abendessen gab es noch  bis zu später Stunde  eine Auswertungsrunde.

Eine mit 16 Kilometern deutlich kürzere und leichtere Strecke – nur bergab – stand bei etwas abgekühlter Temperatur am nächsten Tag auf dem Programm. Ziel war  Schenkenzell. „Wasser“ war das Thema am Vormittag. Das bot sich an, denn der Jakobsweg ist auf dem Abschnitt identisch mit dem Flößerweg. Impulse gab es unter anderem an der Kinzigquelle,  beim Flößerboot  und bei den Mühlrädern. Richtig entspannend war die längere Mittagspause auf dem Campingplatz in Alpirsbach, der direkt an der Kinzig liegt. Der Campingplatzwirt hatte extra für unsere  Gruppe den Grill angeworfen und auch eine Gemüsepfanne angerichtet.

Das letzte  Team hatte nochmals eine Überraschung parat. Die Gruppe erhielt Einblick in das kommunale Kino (Subiaco Kino), das im Kloster Alpirsbach untergebracht ist. Ein Mitarbeiter erläuterte die Entstehungsgeschichte und den laufenden Kinobetrieb. Die bequemen Sitzgelegenheiten im historischen Kinosaal lockten zu einer weiteren Pause – der Mitarbeiter zeigte einen kurzen Film. Ein nachfolgend in der katholischen Kirche St. Benedikt (Teil der Klosteranlage) geplanter Impuls konnte leider nicht dort stattfinden, weil gerade eine Musikergruppe probte.

Zum Thema „Grenzen“ gab es einen eindrücklichen Impuls an einem Stein, der die historische Grenze zwischen Württemberg und Baden markiert. Nach einem lustigen Foto-Shooting kehrte wieder Besinnlichkeit ein. Gedanken über das Ankommen und das Nach-Hause-Kommen rundeten die Tagesetappe vor dem Übernachtungsquartier in Schenkenzell ab. In dem esoterisch ausgerichteten Seminarhaus stieß unsere  Pilgergruppe auf zahlreiche  andere Gäste, die ganz offensichtlich auf diversen esoterischen Wegen auf der Suche sind. Diese Beobachtungen waren wie die Bestätigung einer Berufung: Wir können als Pilgerbegleiter fragenden und suchenden Menschen Wege aufzeigen, den Reichtum und die Schönheit des christlichen Glaubens für sich zu entdecken und sie dabei im wahrsten Sinne des Wortes  ein Stück des Wegs begleiten. (Edith Horcher-Tilgner)

Vom abgelegenen Tal auf aussichtsreiche Höhen

Wandern liegt seit einiger Zeit wieder im Trend. Und spätestens seit Hape Kerkeling seine Pilgererlebnisse veröffentlicht hat, interessieren sich auch immer mehr Menschen dafür, ihren spirituellen Sehnsüchten in der Natur nachzuspüren. Hier setzt die „Kirche im Nationalpark“ mit dem dreiteiligen, ökumenischen Seminarangebot „Qualifizierung zum Pilgerbegleiter“ an.

Angeleitet von den Teamern Jürgen Rist (Wannweil) und Achim Brodback (Oppenau) erlebten 15 Teilnehmer, die aus dem gesamten Schwarzwald anreisten sowie zwei Saarländerinnen im Mai (2017) ein spannendes erstes Seminarmodul. Auftakt war in Allerheiligen, ein entlegenes Seitental im hintersten Renchtal, ein Ort mit einer ganz besonderen spirituellen Atmosphäre. Reflektierende Gruppenarbeiten zum Thema Pilgern standen am ersten Abend auf dem Programm. Dadurch lernten sich die Teilnehmer schnell kennen.

Der erste Praxisteil folgte tags darauf: Eine 16 Kilometer lange Tour auf dem Renchtäler Premiumwanderweg hinauf zum  höchsten Punkt, dem Lotharpfad (an der B 500) und dann hinab über den romantischen Buhlbachsee ins Murgtal nach Mitteltal.  Hatte es am Anreisetag noch heftig geregnet, so bot der Folgetag ideales Wanderwetter.

Jürgen Rist und Achim Brodback hatten die Wegstrecke ausgewählt und eine ganze Reihe von geistlichen Impulsen vorbereitet. Damit zeigten sie den Teilnehmern , welche verschiedenen Methoden eingesetzt werden können, um  eine Pilgergruppe anzuleiten.  Dazu gehörte zum Aufbruch der Pilgersegen in der Kapelle in Allerheiligen.  Taizélieder,  kurze Bibelverse und Fragen zur Selbstreflexion leiteten wechselweise über in Wegabschnitte, die entweder schweigend oder in Gesprächen gegangen wurden.

Die Teilnehmer konnten selbst  erleben, wie sich durch besondere Achtsamkeit Naturerlebnisse und Begegnungen intensivieren. Herrlich aussichtsreiche Wegstrecken mit weiten Ausblicken luden zum kurzen, genussreichen Verweilen ein. Die Teamer behielten  dabei stets ihre zeitlichen Planungen im Blick. So kamen die Gespräche der Teilnehmer auch immer wieder auf die zahlreichen organisatorischen Dinge,  die im Vorfeld einer Gruppen-Pilgerwanderung geplant und beachtet werden müssen und auf Fragen gruppendynamischer Prozesse.

Hier knüpft das  zweite Modul (Juni 2017) an: Aufgeteilt in vier Gruppen, werden die Teilnehmer je einen Streckenabschnitt des Jakobswegs im Nordschwarzwald sowohl organisatorisch als auch geistlich für die Gesamtgruppe vorbereiten.  Das erste Modul schloss mit der Reflexion der Wanderung und der Gruppeneinteilung.  Es zeigte sich, dass die Gruppe durch das gemeinsame spirituelle Wandern bereits  eng zusammengewachsen ist. Die Teilnehmer dankten den Teamern für die tolle Vorbereitung und Durchführung des ersten Moduls.

Bericht von der Teilnehmerin  Edith Horcher-Tilgner

Kirchenraumerkundung in den Ruinen der Klosterkirche Allerheiligen

Das ökumenische Netzwerk Kirche im Nationalpark Schwarzwald (ÖNKINS) war mit Prof. Dr. Hartmut Rupp (theologische Fakultät der Universität Heidelberg) in den Ruinen der Klosterkirche des Prämonstratenser-Klosters Allerheiligen auf Entdeckungsreise. Dieser Ort fasziniert jeden, der nach Oppenau in das einsame Lierbachtal einbiegt in Richtung der bekannten Allerheiligen-Wasserfälle. Fast 30 Interessierte, darunter auch viele, die sich ehrenamtlich im Netzwerk engagieren, nutzten diese besondere Gelegenheit, um in die Zeit der Klostergründung (1196) und in das Leben der Augustiner-Chorherren einzutauchen. Als ausgewiesener Experte für Kirchenraumpädagogik gelang es Prof. Rupp anschaulich und sehr lebendig die Ruine als Ort gelebten Glaubens und die noch sichtbaren Überreste als „gebetete Wände“ und damit lebendige Zeugen sprechen zu lassen. Die Kraft des über Jahrhunderte gepflegten täglichen Stundengebets ist heute noch spürbar und atmet Ehrfurcht, Heiligkeit und Segenskraft.

Alle nutzten die Möglichkeit mit den eigenen Körpermaßen (Schritt, Elle, Spanne) die geometrisch und harmonisch komponierten Maße des Kirchenraumes zu ermessen und sich zu eigen zu machen. Zum Abschluss zogen alle wie Mönche mit Gesang und brennenden Kerzen durch das Hauptportal ein, rezitierten am Ort des Chorgestühls einen Psalm und stärkten sich durch gegenseitige Segenssprüche.

Sinn und Zweck dieser ersten Annäherung besteht für das Ökumenische Netzwerk Kirche im Nationalpark Schwarzwald auch darin, Anregungen und Ideen für das eigene spirituelle Programm zu erhalten, um diesen herausragend kirchlich geprägten Ort einer breiten Öffentlichkeit zu erschließen. Denn viele Menschen kommen zur Erholung an diesen früher sehr abgeschiedenen Ort, an dem u. a. auch eine moderne Kapelle steht, ein wichtiger Zugang für den Nationalpark Schwarzwald.  Für die Initiativgruppe Allerheiligen, die jährlich hier in der Kapelle einen spirituellen Stationen-Weg gestaltet (dieses Jahr mit dem Thema „Jesus, der gute Hirte“), ist dieser Ort ein natürliches und kirchengeschichtlich vorgeprägtes Tor zum Nationalpark. Dieses Tor könnte in Zukunft für alle offenen Menschen – so der Wunsch der Engagierten – zu einer lebendigen Quelle, zu einem Ort der inneren Einkehr und zu einem Ort des Gebetes und der Begegnung werden. 

Patrick Krieg

Dekanatsreferent
Dekanat Baden-Baden

Schulung für Wanderführer des ÖNKINS

23 zukünftige ÖNKINS Guides waren unter Leitung von Urs Reif (Leitender Ranger im Nationalpark Schwarzwald) an den Wasserfällen in Allerheiligen unterwegs, um sich für ihre zukünftige Aufgabe zu zertifizieren. In Theorie und praktischer Erkundung ging es um die Vermittlung der spezifischen Merkmale und Besonderheiten, die für die Anleitung geführter Gruppen im Nationalpark notwendig sind. Unter dem Motto „Natur Natur sein lassen“ erfuhren die Teilnehmer hautnah, den Sinn und Zweck der Gründung des Nationalparks, seinen innere Struktur und Organisation, seine teils auch kontroverse Entstehungsphase, sowie die langfristige Zielsetzung. Besonders spannend waren die Auseinandersetzung und die Diskussion um die philosophischen und theologischen Hintergründe. Der naturwissenschaftliche Naturbegriff wie auch der theologische Schöpfungsgedanke schließen sich gegenseitig eher auf als aus!

Braucht die Natur den Menschen? Muss der Mensch die Natur „beherrschen“? Gibt es ein ideales Verhältnis zwischen beiden und wie kommt der Mensch in ein „ideales“ oder „gutes“ Verhältnis zur Natur, dessen Teil er doch ist! Fragen und Gedanken, die gerade auch die kirchlichen ÖNKINS Guides bei ihren spirituellen Angeboten sehr präsent haben müssen, um Hinweise und Anregungen und teils auch Antworten zu geben, auf Fragen, die sich die Menschen stellen, wenn sie in der Natur und insbesondere im Nationalpark unterwegs sind. Der Nationalpark und seine Philosophie will Raum, Zeit und Möglichkeiten schaffen, den Menschen weniger in die Rolle als Macher als vielmehr als stiller und achtsamer Beobachter einzuüben. Damit dies gelingt, werden dann auch die ÖNKINS Guides ihren Teil aus der Perspektive des christlichen Menschen- und Schöpfungsverständnisses beitragen können. Sicher eine wunderbare Bereicherung im Zusammenspiel der unterschiedlichsten Interessen und Bedürfnisse, die an das Profil des Nationalparks Schwarzwald gestellt werden.

Und über allem Versöhnung

Baiersbronn-Ruhestein (Dekanat Freudenstadt) – Erfahrungen mit Gott inmitten der Natur, das ­sollen spezielle Spaziergänge und Wanderungen im Nationalpark Schwarzwald ermöglichen. Bei einem Schnuppertag sind Menschen für solche Führungen sensibilisiert worden.

Abkürzungen machen unbestritten vieles einfacher. Doch Hand aufs Herz, wer kann sich unter ÖNKINS etwas vorstellen? Des Rätsels Lösung: Ökumenisches Netzwerk Kirche im Nationalpark Schwarzwald. Entstanden ist dieses Netzwerk, wie Pfarrer Wolfgang Sönning von der evangelischen Kirchengemeinde Baiersbronn-Mitteltal erklärt, auch aus dem erbitterten Streit zwischen Nationalparkgegnern und Nationalparkbefürwortern. Dieser Zwist wurde bis in die Familien hineingetragen, führte zu Anfeindungen in den Gemeinden bis hin zu Bedrohungen.

Das war so stark, dass die Kirche sich gefordert sah, selbst einzugreifen. Mittlerweile haben sich die Wogen geglättet, der Nationalpark ist da, doch immer wieder, wenn auch verhalten, flammt der Streit wieder auf. So ist ein Ziel im Leitbild, das sich die Kirchen im Nationalpark Schwarzwald gegeben haben, auch „angesichts der menschlichen und politischen Konflikte um den Nationalpark, zur Verständigung und Versöhnung zu verhelfen“.