Die Schöpfung ist ein Wunder, der Mensch muss sie bewahren – Ökumenischer Gottesdienst in der Klosterruine Allerheiligen

Gottesdienst der Bischöfe in der Klosterruine Allerheiligen (Foto: Roland Spether)

Vorne Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh und Erzbischof Stephan Burger – in der hinteren Reihe v.l. sind Vertreter des Nationalparks mit Direktor Dr. Thomas Waldenspuhl zu sehen, Pfarrer Klaus Kimmig und Vertreter der Initiative „Kirche im Nationalpark“ – mit Helga Klär und Patrick Krieg an der Spitze (Foto: Roland Spether)

„Die Schöpfung ist ein Wunder, in ihr zeigt sich Gottes Herrlichkeit und Liebe“. Erzbischof Stephan Burger lenkte zu Beginn des Ökumenischen Gottesdienstes in den Klosterruine Allerheiligen den Blick auf ein zentrales Anliegen, das die „Kirche im Nationalpark“ in sehr guter ökumenischer Geschwisterlichkeit lebt und möglichst vielen Menschen auch vermitteln möchte. „Die Schöpfung ist den Menschen anvertraut und alle Menschen tragen Verantwortung für deren Bewahrung“, so der Freiburger Erzbischof, der mit dem Bischof der evangelischen Landeskirche Baden, Jochen Cornelius-Bundschuh, dem Gottesdienst an einem ganz besonderen geistlichen Ort vorstand. Denn das Kloster Allerheiligen geht auf eine Stiftung von Uta von Schauenburg zurück, es wurde zwischen 1191 und 1196 gegründet und es beherbergte Mönche vom Orden der Prämonstratenser in einer Zeit, in der es noch keine Trennung zwischen katholisch und evangelisch gab. Doch davon war beim Gottesdienst auch nichts zu spüren, vielmehr die große Verbundenheit im christlichen Glauben, die Hoffnung aus der Kraft des heiligen Geistes und der Auftrag für die gemeinsame Verantwortung für die Schöpfung. „Es ist wunderbar, in Gottes Schöpfung unterwegs zu sein“, so der Landesbischof, der mit einem Zitat des Theologen und Urwald-Doktors Albert Schweitzer die Sehnsucht alles Lebendigen zum Ausdruck brachte: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will“.   

Der Gottesdienst im Nationalpark und an einem für die Christen des Rench- und Achertals bedeutsamen historischen Ort, dem früheren Kloster Allerheiligen, war Teil der weltweiten „Gebetswoche für die Einheit der Christen“ und wurde von einem Bläserensemble der Stadt- und Kirchspielskapelle Oppenau (Leiter Stephan Börsig) und Thomas Strauß (E-Piano) festlich mitgestaltet. Hierzu begrüßten Pfarrer Klaus Kimmig (Seelsorgeeinheit Oberes Renchtal), Gemeindereferentin Helga Klär (Kirche im Nationalpark) und Schuldekan Herbert Kumpf (Ökumene und Freundeskreis Allerheiligen) die Bischöfe, auch der Leiter des Nationalparks, Dr. Thomas Waldenspuhl sprach ein Grußwort. Er bedankte sich bei den Bischöfen für „gelungene Kommunikation“ und die dahinter stehenden Werte und Haltungen „Wahrhaftigkeit, Verlässlichkeit und Vertrauen“, die gerade auch für die wichtige Arbeit im Nationalpark und der damit verbundene Schutz der Natur und Schöpfung Gottes unerlässlich seien. Beim Empfang der Landesregierung 2017 um Besuches von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier habe er die Bischöfe eingeladen, einen Gottesdienst im Nationalpark zu feiern. Die Bischöfe hielten ihr Wort und bekundeten damit ihr Interesse am Nationalpark, dessen Ziele und Inhalte sich mit der Schöpfungstheologie und der Schöpfungs-Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus decken. „Der Nationalpark ist keine Reise in die Vergangenheit, sondern Aufbruch in eine neue Welt“, so Thomas Waldespuhlt, und verdeutlichte, wie dringend nötig der Schutz und Erhalt der Natur in ihrer Schönheit und Komplexität gerade als Lebensgrundlage für die nachfolgenden Generationen sei. Beide Bischöfe griffen diese Thematik und Notwendigkeit in ihren Ansprachen auf, verbundene mit dem Appell an jeden Menschen, ganz konkrete Beiträge für den Schutz der Schöpfung zu leisten. Hierbei nahm Bischof Jochen Cornelius-Bundschuh Bezug zum Römerbrief des Apostels Paulus, der vom „Seufzen der ganzen Schöpfung“ und vom „Hoffen auf Erlösung“ schrieb. Dies sei eine „große Entdeckung des Glaubens“, dass zur Schöpfung alles gehöre, was existiere, der Gletscher genauso wie der Star und die Tanne im Nationalpark. Der Mensch selbst sei Teil des Ganzen, er darf inmitten der wundervollen Schöpfung leben, aber er trage auch eine ganz besondere Verantwortung für die Schöpfung und alles Leben in ihr. 

Roland Spether

Lehrerfortbildungstag in Zusammenarbeit mit dem Nationalpark

Am Mittwoch, den 17. Mai 2018 konnten wir den 2. Lehrerfortbildungstag in Zusammenarbeit mit dem Nationalpark Schwarzwald durchführen.

Bei strömendem Regen und nebligen 6 – 8 Grad, waren überzeugte Lehrer gefragt. Und die gab es! Zunächst starteten wir mit einer Andacht in der kleinen Kapelle zum Guten Hirten, Sand.

Danach ging es vom Hundseck los, durch Wirtschaftswald zu den Dreikohlplatten und anschließend über den Beckerweg rund um den Ochsenkopf.

Das Thema „Werden und Vergehen“ wurde unterwegs in einigen Stationen von ganz unterschiedlichen Fächern bearbeitet. Dr. Dominik Rüede, Fachbereich 3 des Nationalparks, stellte die wirtschaftlichen Zusammenhänge, in die der Nationalpark gestellt ist, vor.

Mit Eintritt in den Nationalpark brachte der Leiter der Natur- und Wildnisbildung des Nationalparks, Dr. Sebastian Schwab, in einem auch für Schüler gut einsetzbaren Spiel den Kreislauf des Lebens in der Natur ein.

Erste Erkenntnis: Die größte Vielfalt unter den Tieren lebt da, wo Tiere Totholz nutzen können. Vergehen bekommt unter dieser Betrachtung eine ganz neue Bedeutung.

In den nächsten Stationen ging es um „Werden und Vergehen“ im christlichen Glauben. Das Fach Religion war gefragt. Zunächst lud Helga Klär von Kirche im NLP die Teilnehmenden ein,  Fotos zu machen, die „Werden und Vergehen“ zum Ausdruck bringen. Motive gab es reichlich, so dass der Austausch über das gewählte Foto, das am meisten ansprach, trotz Regen und Nebel, sehr rege war. Eine Methode, die sicher auch mit Schülern überall in der Natur eingesetzt werden kann.

Und was kommt nach dem Tod? Wie stellst du dir das vor? Und woher kommt deine Vorstellung?

Mit diesen Fragen ging es dann weiter.

Schuldekan Herbert Kumpf brachte auf verschiedenen Karten unterschiedliche Vorstellungen aus Religionen oder aus der heutigen Zeit zur Frage ein: Wie geht es nach dem Tod weiter?

Obwohl die Gruppe schon ordentlich durchnässt war, schaffte es Schuldekan Patrick Hillenbrand-Detzer dennoch, das Interesse der Teilnehmenden für die Sicht der Romantik in einem Bild von Caspar David Friedrich zu wecken.

Den Abschluss machte die Gruppe im Nationalparkzentrum bei Kaffee und Kuchen. Bei dieser Runde wurde dann noch einmal die christliche Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod angesprochen und Anregungen gegeben, wie auch Schüler zum Formulieren von eigenen Hoffnungen mittels eines Gedichts angeregt werden können.

Und für das Fach Deutsch stellte Patrick Hillenbrand-Detzer einige Gedichte vor, die sich eignen, das Thema „Werden und Vergehen“ mit Schülern zu besprechen.

Sebastian Schwab leitete die Reflexionsrunde. Die Begeisterung der Teilnehmenden, die trotz des sehr typischen Schwarzwaldwetters durchgehalten hatten, war hoch, so dass es sicher auch in 2019 einen Lehrerfortbildungstag in Zusammenarbeit mit dem Nationalpark geben wird. Denn es ist ein bereicherndes Erlebnis, wenn ein Thema fächerübergreifend bearbeitet werden kann.

Helga Klär

Kreuzweg der Schöpfung

Kreuzweg der SChöpfung Kapelle Mummelsee

Kreuzweg der Schöpfung am Palmsonntag 17:00 Uhr, Mummelsee-Kapelle (B 500), Seebach

Kirche im Nationalpark Schwarzwald beginnt in diesem Jahr die Karwoche mit einem besonderen Angebot, mit einem „Kreuzweg der Schöpfung“ in der Kapelle St. Michael am Mummelsee. Kreuzwege gibt es viele, doch dieser Kreuzweg ist einzigartig. Er verbindet die Zerstörung der Natur, die leidende Schöpfung, mit dem Leidensweg Jesu Christi. Dabei werden den klassischen Kreuzwegstationen großformatige Fotographien aus dem Nationalpark Schwarzwald zugeordnet, die den Zuschauer unmittelbar ansprechen.

Der „Kreuzweg der Schöpfung“ geht zurück auf eine Idee des Kapuzinerpaters Anton Rotzetter, Kloster Altdorf, Schweiz. Er schreibt dazu: „Im Leiden Jesu kommt uns das Leiden der durch Menschenhand zunehmend zerstörten Schöpfung als ganze entgegen. Jesus ist der Kreuzträger aller leidenden Kreatur; seine Stimme aus der Mitte des Leids ist auch ihre Stimme: gebrochen, kaum hörbar oder schreiend, voller Tränen und Schmerz – mit

letzter Hoffnung. So ist es Jesus selbst, der in dieser Kreuzwegandacht das Leiden der Schöpfung im Gebet zum Ausdruck bringt: als Klage, die uns wachrütteln will, aktiv zum Heil der Welt beizutragen.“ (Kreuzweg der Schöpfung, 2009, Misereor)

 

Wir eröffnen diesen Kreuzweg der Schöpfung am Palmsonntag, den 25. März 2018 um 17 Uhr mit einer spirituellen Andacht.

Besucherinnen und Besucher der Mummelseekapelle können den Kreuzweg der Schöpfung während der Öffnungszeiten der Kapelle von 26. März 2018 bis Karfreitag, 30. März 2018, jeweils zwischen 9.00 Uhr und 18.00 Uhr besuchen. Am Karfreitag wird diese Aktion um 12:00 Uhr mit einem Impuls beendet.

Kirche im Nationalpark auf der CMT 2018

CMT 2018

Erstmals haben sich die vier Kirchen des Landes Baden-Württemberg auf der Touristikmesse CMT in Stuttgart gemeinsam präsentiert.

Am Stand der Kirchen konnten sich die Besucher des Messe über kirchliche Angebote in der Freizeit oder im Urlaub informieren.

Dieses Jahr war der Schwerpunkt auf Klöster und Klöstergärten.

Aber auch alle anderen Angebote der Kirchen wie: Radwegekirchen,  Kirche im Europapark, das Kirchenschiff MS am Bodensee, die Autobahnkirchen, Pilgerwanderungen  und eben auch

erstmalig Kirche im Nationalpark Schwarzwald informierten über ihre Freizeitangebote mit spirituellem Hintergrund der christlichen Kirchen.

 Pfr. Achim Brodback und Patrick Krieg von Kirche im Nationalpark trafen sich bereits am ersten Wochenende der CMT im Forum der Kirchen mit Jürgen Rist und den in 2017 ausgebildeten Pilgerbegleitern.

Insgesamt drei Tage war Sprecherin Helga Klär am Stand und konnte so mit etlichen Besuchern ins Gespräch kommen.

Weihnachtlicher Abschluss des Impulsweges in der Allerheiligenkapelle

Allerheiligenkapelle

Allerheiligenkapelle

Am 1. Adventssonntag trafen sich in einer verwunschenen Schneelandschaft ca. 25 mutige Besucher um den Abschluss des Impulsweges in der Kapelle Allerheiligen zu feiern. Mutig musste man schon sein, dann es hatte

heftiger Schneefall eingesetzt.

Mit Auszügen aus einem Brief an Pfr. Klaus Kimmig, der in stillen Worten die ganz besondere Bedeutung dieser Kapelle als gesegneten Ort beschrieb und den Lobpreisen und Bitten einiger beschrifteter Baumscheiben, die vom Team Allerheiligen vorgetragen wurden, war ein ganz besonderer Bezug zum Impulsweg: ich bin der gute Hirte, spürbar.

Die leise Adventsstimmung in der kalten Kapelle wurde durch eine herrliche Querflötenbegleitung bei den Liedern unterstützt.

 

Gerne nahmen anschließend alle die Einladung zum Umtrunk mit heißen Getränken und Gebäck an. Trotz Schneetreibens und Kälte blieb man lange beisammen.

Die verbrennenden Baumscheiben aus dem Impulsweg des Sommers gaben dabei genug Wärme ab.

Netzwerk „Kirche im Nationalpark“ hat die ersten Pilgerbegleiter ausgebildet

Foto: Projektleiter Jürgen Rist (Mitte) und die Seminarreferenten Helga Klär (Zweite von rechts), Patrick Krieg und Achim Brodback (vorne links) freuen sich mit den Teilnehmern über den gelungenen Pilotkurs. (pr-Foto: Patrick Krieg)

Ruhestein/Forbach – Beim Pilgern können Seele und Geist zur Ruhe kommen. Zahlreiche schöne Wege in der Heimat laden zum Pilgern ein, und ebenso urwüchsige Pfade im Nationalpark Schwarzwald. In einer ersten dreiteiligen Seminarreihe hat das ökumenische Netzwerk „Kirche im Nationalpark“ nun 14 Frauen und Männer zu zertifizierten Pilgerbegleitern ausgebildet. Im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes wurden die Zertifikate in Herrenwies überreicht. Ziel des Pilotprojektes ist es, dass die Pilgerbegleiter künftig eigene Ideen entwickeln, um in Kooperation mit örtlichen Kirchengemeinden oder anderen Bildungsträgern Pilgerwanderungen anbieten zu können. Pilgererfahrene Fachleute, sowohl katholischer als auch evangelischer Konfession, vermittelten den Einsteigern an drei Wochenenden das nötige Rüstzeug. Alle Fäden bündelte Projektleiter Jürgen Rist, der im Bildungszentrum der evangelischen württembergischen Landeskirche Stuttgart als Landesreferent für den Bereich Freizeit und Tourismus zuständig ist. Seine große Pilgerleidenschaft motivierte und spornte die Kursteilnehmer an. Bei den drei Ausbildungsmodulen wurde er unterstützt von den beiden Sprechern des Netzwerkes „Kirche im Nationalpark“, Pfarrer Wolfgang Sönning (Baiersbronn-Mitteltal) und der Gemeindereferentin Helga Klär (Dekanat Acher-Renchtal) sowie von Pfarrer Achim Brodback (Oppenau) und Dekanatsreferent Patrick Krieg (Baden-Baden). Die Kursteilnehmer befassten sich mit den Aufgaben und dem Rollenverständnis des Pilgerbegleiters, erarbeiteten und gestalteten geistliche Impulse, bereiteten eine Wegstrecke für eine Gruppe vor und übten sich damit in der praktischen Umsetzung. Weitere Themen betrafen organisatorische Abläufe, die besonderen Regelungen für Gruppenwanderungen im Nationalpark, Rechts- und Versicherungsfragen sowie seelsorgerliche Begleitung und gruppendynamische Prozesse. Erste praktische Pilgererfahrungen sammelten die Teilnehmer beim gemeinsamen Pilgern von Allerheiligen (Renchtal) über den Lotharpfad an der B 500 nach Baiersbronn-Mitteltal und auf drei Abschnitten des Jakobsweges von Horb a.N. über Lossburg und von dort auf dem Kinzigtäler Flößerweg nach Schiltach. Entlang der Wege entdeckte die Gruppe neben vielen schönen kulturgeschichtlichen Stätten wie Kirchen, Kapellen und Wegkreuzen auch zahlreiche landschaftliche Elemente wie Wasserläufe, Felsformationen oder Bäume, die zu geistlichen Impulsen und zum gemeinsamen Singen inspirierten. Jürgen Rist ermunterte die Kursabsolventen miteinander in Kontakt zu bleiben und einander bei der Planung und Durchführung von Pilgerwanderungen zu unterstützen. Einige Ideen und Vorschläge zeichneten sich beim Abschlussseminar schon sehr konkret ab. „Nutzt die Chance, eure Erfahrungen und eure Freude am Pilgern mit anderen Menschen zu teilen“, formulierte Rist. Das Netzwerk „Kirche im Nationalpark“ werde als Ratgeber zur Seite stehen. Für nächstes Jahr werde man einen Erfahrungsaustausch und Fortbildungsangebote vorbereiten. Das Zertifikat zum Pilgerbegleiter erhielten: Christiana Vollmer-Krug (Gernsbach), Ernst Kraft (Gaggenau), Edith Horcher-Tilgner (Bühlertal), Verena Müller-Kunkel (Oppenau), Ursula Keck (Freudenstadt), Erna Gerber (Wildberg), Steffi Brodbeck (Bad Boll), Christiane Gegenheimer (Maulbronn), Eva Hasenfratz (Sternenfels Diefenbach), Elisabeth und Franz Hauth (Pforzheim), Inge Keppler (Bad Herrenalb), Anne Geiger und Anne Kessler (St. Wendel).

Gottesdienst zum Tag der Schöpfung

"Soweit Himmel und Erde ist" war das Motto des Ökumenischen Gottesdienstes am Tag der Schöpfung, der jährlich am Nationalparkzentrum Ruhestein gefeiert wird. Mitten in der Natur auf einem kleinen Plateau unterhalb der Sprungschanze versammelten sich ca. 50 Naturbegeisterte trotz frischer Temperaturen und tiefhängenden Wolken um den Schöpfer der WElt zu loben. Zusammen mit Dekan Georg Schmitt (Achern), Schuldekan Herbert Kumpf (Kehl), Dekanatsreferent Patrick Krieg (Baden-Baden). Die Vokalgruppe "Querbeet" unter Leitung von Gabriele Frietsch begeisterte mit ihren stimmungsvoll vorgetragenen Liedern zum Mitsingen und besinnlichem Zuhören. Der Leiter des Nationalparks Schwarzwald Wolfgang Schlund sprach in seiner Begrüßung von der Notwendigkeit, immer wieder die spirituelle Dimension Natur sich vor Augen zu stellen, die Grundlage unserer menschlichen Existenz mit alle ihrer Schönheit, Kraft und Bedrohung ist. Die Verantwortung für die Schöpfung, das Staunen vor und in ihr, das in der Bibel uns Menschen von Gott aufgetragen ist, griff auch Dekan Georg Schmitt in seiner Ansprache auf. „Wir sind berufen, die Werkzeuge Gottes des Vaters zu sein, damit unser Planet das sei, was er sich erträumte, als er sie erschuf und seinem Plan des Friedens und der Schönheit und der Fülle entspreche“ zitierte er Papst Franziskus in seiner Enzyklika „Laudato si“. Beim anschließenden geistlichen Waldspaziergang wurde die Dimension des „Leidens der Schöpfung“ vertieft, besonders der Anteil des Menschen daran. Patrick Krieg und Wolfgang Schlund führten die 20 köpfige Gruppe auf einem kleinen Rundgang an. Bildtafeln, die Motive im Nationalpark aufnahmen, und passende meditativen Texten regten die Gruppe zu einem lebendigen Austausch an. Wie eng verwoben viele Ursachen der Umweltzerstörung und –bedrohung mit den weltweit sozialen Verwerfungen sind, war eine erschütternde Erkenntnis. Eine ermutigende Einsicht dagegen, die Kraft des Gebetes und der handelnden Solidarität mit der Schöpfung, vor allem die Achtsamkeit und der Respekt vor der Würde alles Geschaffenen.
(Patrick Krieg)

Ausbildung zum Pilgerbegleiter auf dem kinzigtäler Jakobsweg

Beim zweiten Modul der Ausbildung zur Pilgerbegleitung konnten die Teilnehmenden nicht nur erste praktische Erfahrungen in der Rolle als Pilgerbegleiter sammeln, sondern auch ihre Fähigkeiten im Bereich Teamarbeit weiterentwickeln. Eingeteilt in drei Vierer- Teams und ein Dreier-Team, wurden mehr als drei Etappen des kinzigtäler Jakobswegs vorbereitet. Die Teams hatten die Aufgabe, ihren jeweiligen Streckenabschnitt vorab zu erkunden, die organisatorischen Fragen zu klären, Impulse zu erarbeiten, den Ablauf zu planen und sich mit den anderen Teams abzusprechen.

An zwei Tagen wurde gewandert. 23 Kilometer waren es am ersten Tag, 16 am zweiten Tag. Als weitere Ausbildungs-Teamerin kam Helga Klär vom ÖNKINS hinzu. Treffpunkt war am Freitagmorgen am Bahnhof in Horb am Neckar. Nach einer kurzen Busfahrt  in den Stadtteil  Ihlingen begann die Tour in der eindrucksvollen katholischen Kirche St. Jakobus. Das erste Team hatte den dortigen Diakon gebeten, der Gruppe im Rahmen einer kleinen Andacht den Pilgersegen zu erteilen und einige historische Daten zur Kirche zu geben. Unter dem Thema „Licht und Schatten“ standen die Impulse am ersten Vormittag.

Bei hochsommerlichen Temperaturen waren Kraft und Ausdauer  nötig für den Aufstieg nach Lossburg. Glücklicherweise führte die Strecke größtenteils durch schattige Wälder und es wehte stets – besonders auf der Hochebene, wo viele Windräder stehen – ein angenehm kühlender Gegenwind. Die Pilger fühlten wie es ist, bei jedem Wetter beharrlich den Weg zu gehen. Sie spürten ihre Grenzen und manche kamen auch an ihre körperliche Leistungsfähigkeit. Die Teams gingen auf die Bedürfnisse der Pilgergruppe nach vermehrten Pausen ein. Zeitliche Änderungen im Ablaufplan erforderten Improvisation.

Willkommen waren Stopps in kühlen sakralen Bauten – einen interessanten Impuls „Heiliger Wendelin“ gab es unter anderem in der Wendelinuskapelle - und eine Pause am katholischen Pfarrhaus in Leinstetten. Die Teilnehmer konnten sich dort mit kühlen Getränken erfrischen und das WC benutzen. Eine ehrenamtliche Mitarbeiterin ermöglichte es der Gruppe, auch einen Blick in die dortige Pilgerherberge zu werfen. Frisches Wasser konnte auch am schönen Jakobsbrunnen gezapft werden.

„Überraschungen“ lautete das Thema des zweiten Teams.  Verblüffend war ein Mini-Weinberg im rauen Schwarzwald, der zu einem Impuls geradezu herausforderte. Eine tolle Überraschung war die nicht angekündigte Kaffeepause an der Nachtberghütte. Die Wirtin des Gasthauses „Alte Kirche“ hatte Kaffee und selbstgebackenen Kuchen zu diesem herrlich gelegenen Aussichtspunkt gebracht. Diese stärkende Pause war eine Wohltat für Leib und Seele und beflügelte, die restlichen Kilometer nach Lossburg zum ersten Übernachtungsquartier entschieden anzupacken.  Nach einem schönen gemeinsamen Abendessen gab es noch  bis zu später Stunde  eine Auswertungsrunde.

Eine mit 16 Kilometern deutlich kürzere und leichtere Strecke – nur bergab – stand bei etwas abgekühlter Temperatur am nächsten Tag auf dem Programm. Ziel war  Schenkenzell. „Wasser“ war das Thema am Vormittag. Das bot sich an, denn der Jakobsweg ist auf dem Abschnitt identisch mit dem Flößerweg. Impulse gab es unter anderem an der Kinzigquelle,  beim Flößerboot  und bei den Mühlrädern. Richtig entspannend war die längere Mittagspause auf dem Campingplatz in Alpirsbach, der direkt an der Kinzig liegt. Der Campingplatzwirt hatte extra für unsere  Gruppe den Grill angeworfen und auch eine Gemüsepfanne angerichtet.

Das letzte  Team hatte nochmals eine Überraschung parat. Die Gruppe erhielt Einblick in das kommunale Kino (Subiaco Kino), das im Kloster Alpirsbach untergebracht ist. Ein Mitarbeiter erläuterte die Entstehungsgeschichte und den laufenden Kinobetrieb. Die bequemen Sitzgelegenheiten im historischen Kinosaal lockten zu einer weiteren Pause – der Mitarbeiter zeigte einen kurzen Film. Ein nachfolgend in der katholischen Kirche St. Benedikt (Teil der Klosteranlage) geplanter Impuls konnte leider nicht dort stattfinden, weil gerade eine Musikergruppe probte.

Zum Thema „Grenzen“ gab es einen eindrücklichen Impuls an einem Stein, der die historische Grenze zwischen Württemberg und Baden markiert. Nach einem lustigen Foto-Shooting kehrte wieder Besinnlichkeit ein. Gedanken über das Ankommen und das Nach-Hause-Kommen rundeten die Tagesetappe vor dem Übernachtungsquartier in Schenkenzell ab. In dem esoterisch ausgerichteten Seminarhaus stieß unsere  Pilgergruppe auf zahlreiche  andere Gäste, die ganz offensichtlich auf diversen esoterischen Wegen auf der Suche sind. Diese Beobachtungen waren wie die Bestätigung einer Berufung: Wir können als Pilgerbegleiter fragenden und suchenden Menschen Wege aufzeigen, den Reichtum und die Schönheit des christlichen Glaubens für sich zu entdecken und sie dabei im wahrsten Sinne des Wortes  ein Stück des Wegs begleiten. (Edith Horcher-Tilgner)

Vom abgelegenen Tal auf aussichtsreiche Höhen

Wandern liegt seit einiger Zeit wieder im Trend. Und spätestens seit Hape Kerkeling seine Pilgererlebnisse veröffentlicht hat, interessieren sich auch immer mehr Menschen dafür, ihren spirituellen Sehnsüchten in der Natur nachzuspüren. Hier setzt die „Kirche im Nationalpark“ mit dem dreiteiligen, ökumenischen Seminarangebot „Qualifizierung zum Pilgerbegleiter“ an.

Angeleitet von den Teamern Jürgen Rist (Wannweil) und Achim Brodback (Oppenau) erlebten 15 Teilnehmer, die aus dem gesamten Schwarzwald anreisten sowie zwei Saarländerinnen im Mai (2017) ein spannendes erstes Seminarmodul. Auftakt war in Allerheiligen, ein entlegenes Seitental im hintersten Renchtal, ein Ort mit einer ganz besonderen spirituellen Atmosphäre. Reflektierende Gruppenarbeiten zum Thema Pilgern standen am ersten Abend auf dem Programm. Dadurch lernten sich die Teilnehmer schnell kennen.

Der erste Praxisteil folgte tags darauf: Eine 16 Kilometer lange Tour auf dem Renchtäler Premiumwanderweg hinauf zum  höchsten Punkt, dem Lotharpfad (an der B 500) und dann hinab über den romantischen Buhlbachsee ins Murgtal nach Mitteltal.  Hatte es am Anreisetag noch heftig geregnet, so bot der Folgetag ideales Wanderwetter.

Jürgen Rist und Achim Brodback hatten die Wegstrecke ausgewählt und eine ganze Reihe von geistlichen Impulsen vorbereitet. Damit zeigten sie den Teilnehmern , welche verschiedenen Methoden eingesetzt werden können, um  eine Pilgergruppe anzuleiten.  Dazu gehörte zum Aufbruch der Pilgersegen in der Kapelle in Allerheiligen.  Taizélieder,  kurze Bibelverse und Fragen zur Selbstreflexion leiteten wechselweise über in Wegabschnitte, die entweder schweigend oder in Gesprächen gegangen wurden.

Die Teilnehmer konnten selbst  erleben, wie sich durch besondere Achtsamkeit Naturerlebnisse und Begegnungen intensivieren. Herrlich aussichtsreiche Wegstrecken mit weiten Ausblicken luden zum kurzen, genussreichen Verweilen ein. Die Teamer behielten  dabei stets ihre zeitlichen Planungen im Blick. So kamen die Gespräche der Teilnehmer auch immer wieder auf die zahlreichen organisatorischen Dinge,  die im Vorfeld einer Gruppen-Pilgerwanderung geplant und beachtet werden müssen und auf Fragen gruppendynamischer Prozesse.

Hier knüpft das  zweite Modul (Juni 2017) an: Aufgeteilt in vier Gruppen, werden die Teilnehmer je einen Streckenabschnitt des Jakobswegs im Nordschwarzwald sowohl organisatorisch als auch geistlich für die Gesamtgruppe vorbereiten.  Das erste Modul schloss mit der Reflexion der Wanderung und der Gruppeneinteilung.  Es zeigte sich, dass die Gruppe durch das gemeinsame spirituelle Wandern bereits  eng zusammengewachsen ist. Die Teilnehmer dankten den Teamern für die tolle Vorbereitung und Durchführung des ersten Moduls.

Bericht von der Teilnehmerin  Edith Horcher-Tilgner

Kirchenraumerkundung in den Ruinen der Klosterkirche Allerheiligen

Das ökumenische Netzwerk Kirche im Nationalpark Schwarzwald (ÖNKINS) war mit Prof. Dr. Hartmut Rupp (theologische Fakultät der Universität Heidelberg) in den Ruinen der Klosterkirche des Prämonstratenser-Klosters Allerheiligen auf Entdeckungsreise. Dieser Ort fasziniert jeden, der nach Oppenau in das einsame Lierbachtal einbiegt in Richtung der bekannten Allerheiligen-Wasserfälle. Fast 30 Interessierte, darunter auch viele, die sich ehrenamtlich im Netzwerk engagieren, nutzten diese besondere Gelegenheit, um in die Zeit der Klostergründung (1196) und in das Leben der Augustiner-Chorherren einzutauchen. Als ausgewiesener Experte für Kirchenraumpädagogik gelang es Prof. Rupp anschaulich und sehr lebendig die Ruine als Ort gelebten Glaubens und die noch sichtbaren Überreste als „gebetete Wände“ und damit lebendige Zeugen sprechen zu lassen. Die Kraft des über Jahrhunderte gepflegten täglichen Stundengebets ist heute noch spürbar und atmet Ehrfurcht, Heiligkeit und Segenskraft.

Alle nutzten die Möglichkeit mit den eigenen Körpermaßen (Schritt, Elle, Spanne) die geometrisch und harmonisch komponierten Maße des Kirchenraumes zu ermessen und sich zu eigen zu machen. Zum Abschluss zogen alle wie Mönche mit Gesang und brennenden Kerzen durch das Hauptportal ein, rezitierten am Ort des Chorgestühls einen Psalm und stärkten sich durch gegenseitige Segenssprüche.

Sinn und Zweck dieser ersten Annäherung besteht für das Ökumenische Netzwerk Kirche im Nationalpark Schwarzwald auch darin, Anregungen und Ideen für das eigene spirituelle Programm zu erhalten, um diesen herausragend kirchlich geprägten Ort einer breiten Öffentlichkeit zu erschließen. Denn viele Menschen kommen zur Erholung an diesen früher sehr abgeschiedenen Ort, an dem u. a. auch eine moderne Kapelle steht, ein wichtiger Zugang für den Nationalpark Schwarzwald.  Für die Initiativgruppe Allerheiligen, die jährlich hier in der Kapelle einen spirituellen Stationen-Weg gestaltet (dieses Jahr mit dem Thema „Jesus, der gute Hirte“), ist dieser Ort ein natürliches und kirchengeschichtlich vorgeprägtes Tor zum Nationalpark. Dieses Tor könnte in Zukunft für alle offenen Menschen – so der Wunsch der Engagierten – zu einer lebendigen Quelle, zu einem Ort der inneren Einkehr und zu einem Ort des Gebetes und der Begegnung werden. 

Patrick Krieg

Dekanatsreferent
Dekanat Baden-Baden

Schulung für Wanderführer des ÖNKINS

23 zukünftige ÖNKINS Guides waren unter Leitung von Urs Reif (Leitender Ranger im Nationalpark Schwarzwald) an den Wasserfällen in Allerheiligen unterwegs, um sich für ihre zukünftige Aufgabe zu zertifizieren. In Theorie und praktischer Erkundung ging es um die Vermittlung der spezifischen Merkmale und Besonderheiten, die für die Anleitung geführter Gruppen im Nationalpark notwendig sind. Unter dem Motto „Natur Natur sein lassen“ erfuhren die Teilnehmer hautnah, den Sinn und Zweck der Gründung des Nationalparks, seinen innere Struktur und Organisation, seine teils auch kontroverse Entstehungsphase, sowie die langfristige Zielsetzung. Besonders spannend waren die Auseinandersetzung und die Diskussion um die philosophischen und theologischen Hintergründe. Der naturwissenschaftliche Naturbegriff wie auch der theologische Schöpfungsgedanke schließen sich gegenseitig eher auf als aus!

Braucht die Natur den Menschen? Muss der Mensch die Natur „beherrschen“? Gibt es ein ideales Verhältnis zwischen beiden und wie kommt der Mensch in ein „ideales“ oder „gutes“ Verhältnis zur Natur, dessen Teil er doch ist! Fragen und Gedanken, die gerade auch die kirchlichen ÖNKINS Guides bei ihren spirituellen Angeboten sehr präsent haben müssen, um Hinweise und Anregungen und teils auch Antworten zu geben, auf Fragen, die sich die Menschen stellen, wenn sie in der Natur und insbesondere im Nationalpark unterwegs sind. Der Nationalpark und seine Philosophie will Raum, Zeit und Möglichkeiten schaffen, den Menschen weniger in die Rolle als Macher als vielmehr als stiller und achtsamer Beobachter einzuüben. Damit dies gelingt, werden dann auch die ÖNKINS Guides ihren Teil aus der Perspektive des christlichen Menschen- und Schöpfungsverständnisses beitragen können. Sicher eine wunderbare Bereicherung im Zusammenspiel der unterschiedlichsten Interessen und Bedürfnisse, die an das Profil des Nationalparks Schwarzwald gestellt werden.

Und über allem Versöhnung

Baiersbronn-Ruhestein (Dekanat Freudenstadt) – Erfahrungen mit Gott inmitten der Natur, das ­sollen spezielle Spaziergänge und Wanderungen im Nationalpark Schwarzwald ermöglichen. Bei einem Schnuppertag sind Menschen für solche Führungen sensibilisiert worden.

Abkürzungen machen unbestritten vieles einfacher. Doch Hand aufs Herz, wer kann sich unter ÖNKINS etwas vorstellen? Des Rätsels Lösung: Ökumenisches Netzwerk Kirche im Nationalpark Schwarzwald. Entstanden ist dieses Netzwerk, wie Pfarrer Wolfgang Sönning von der evangelischen Kirchengemeinde Baiersbronn-Mitteltal erklärt, auch aus dem erbitterten Streit zwischen Nationalparkgegnern und Nationalparkbefürwortern. Dieser Zwist wurde bis in die Familien hineingetragen, führte zu Anfeindungen in den Gemeinden bis hin zu Bedrohungen.

Das war so stark, dass die Kirche sich gefordert sah, selbst einzugreifen. Mittlerweile haben sich die Wogen geglättet, der Nationalpark ist da, doch immer wieder, wenn auch verhalten, flammt der Streit wieder auf. So ist ein Ziel im Leitbild, das sich die Kirchen im Nationalpark Schwarzwald gegeben haben, auch „angesichts der menschlichen und politischen Konflikte um den Nationalpark, zur Verständigung und Versöhnung zu verhelfen“.